Das "Schreiben von Ikonen"

Von WS 1981 bis SS 1989 studierte ich an der WWU Münster das Fach Byzantinistik. Für die beiden damaligen Professoren Jadran Ferluga und Günter Prinzing gehörte neben der Geschichte auch der Schwerpunkt Kunstgeschichte zur Ausrichtung des Faches. Ebenso war dies der Fall im Fach Osteuropäische Geschichte, in dem sich Professor Frank Kämpfer immer wieder mit kunsthistorischen Fragen beschäftigte.

Nach dem Studium hatte ich dann 1995 die Gelegenheit, einmal die praktische Seite kennenzulernen, indem ich einen Ikonenmalkurs bei Professor Helmut Fischer besuchte.

 

Pantokrator, 30 x 21 cm, 1995
Pantokrator, 30 x 21 cm, 1995

Diese Christus-Ikone war das Motiv, das jeder Teilnehmer im Rahmen des Ikonenmalkurses bei Prof. Helmut Fischer schreiben sollte.

Der Kurs, der fünf Tage dau- erte, führte uns in die Tradition der Ikonenmalerei ein.


Bei der Herstellung einer Ikone liegen die Werkstoffe zugrunde, die Stefan Brenske in seinem Buch Ikonen selber malen. Von der Vorlage bis zur fertigen Ikone 1990 zugrunde gelegt hat.

Seine Angaben sind denen, die Prof. Fischer uns im Malkurs genannt hat, gleich.

 

 

 

 

Pantokrator, 21 x 15 cm, 2012 (Privatbesitz)
Pantokrator, 21 x 15 cm, 2012 (Privatbesitz)

Emmaus, 37 x 30 cm, 2012
Emmaus, 37 x 30 cm, 2012

Bereits als Kind faszinierte mich am zweiten Ostertag das Evangelium von Emmaus.

Als ich eine passende Vor- lage fand, fertigte ich danach eine Vorzeichnung an, die Farbgebung än- derte ich an einigen Stellen. Auf den unruhig wirkenden Marmorboden verzichtete ich zugunsten einer klareren Struktur.

 

 

 

 

 


Muttergottes der Passion, 41 x 29,5 cm, 2009
Muttergottes der Passion, 41 x 29,5 cm, 2009

Den Vorwurf für die Ikone bildete das Motiv der Muttergottes der Pas- sion, die in einer Mal- schule auf Kreta wohl Ende des 15. Jahrhunderts entstanden ist und heute im Staatlichen Museum der bildenden Künste von A. S. Puschkin in Moskau  (Inv.-Nr. 4268) aufbewahrt wird.

Diese Ikone wird als ost- kirchliches Gegenstück zur Muttergottes der immer- währenden Hilfe verstan- den, ein Motiv, das in röm.-kath. Kirchen häufig vor- handen ist.

Die Ikone befindet sich bei der Ev. Marienschwestern- schaft in Darmstadt-Eber- stadt.


Muttergottes der immerwährenden Hilfe, 48,5 x 38,5 cm, 2011
Muttergottes der immerwährenden Hilfe, 48,5 x 38,5 cm, 2011

Da ich als Kind mit dieser Ikone in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus aufgewachsen bin und zu diesem Bild immer eine besondere Beziehung hatte, war der Wunsch schon als Kind da, diese Ikone einmal malen zu können.

 

Heute - Jahrzehnte später - habe ich die Fähigkeit, dies zu können. Zu Beginn des Jahres 2011 habe ich mir diesen Wunsch erfüllt.


La Vierge á l'enfant, 21 x 15 cm, 2012
La Vierge á l'enfant, 21 x 15 cm, 2012

Im Musée des Beaux Arts in Bernay in der Normandie sah ich das Gemälde La Vierge á l'Enfant, Anonym, Florentiner Schule 15. Jh. (Inv-Nr. 887. 2. 72), das mich sehr beeindruckte.

Das Gemälde der Mutter- gottes steht zwischen der östlichen und westlichen Tradition.


Muttergottes von Korsun, 21 x 15 cm, 2011 (Privatbesitz)
Muttergottes von Korsun, 21 x 15 cm, 2011 (Privatbesitz)

Seit fast 30 Jahren hängt die Muttergottes von Korssun als Druck in meinem Zimmer. Die Suche nach diesem Motiv im Internet erbrachte, dass das Grundmotiv Mutter-Kind immer gleich ist, aber die Farbe der Gewänder variiert. 


Muttergottes von Korsun, 21 x 15 cm, 2011
Muttergottes von Korsun, 21 x 15 cm, 2011

Anders als auf dem Druck habe ich dann Maria ein blaues statt rosafarbenes Tuch um das Haar gelegt und ihr Untergewand eben- falls blau gehalten, da für mich die Farbe Mariens - aus meiner Tradition heraus - das Blau ist.


Erzengel Michael, 30 x 21 cm, 1998
Erzengel Michael, 30 x 21 cm, 1998
Erzengel Gabriel, 30 x 21 cm, 1998
Erzengel Gabriel, 30 x 21 cm, 1998

 

Die beiden Erzengel Grabriel und Michael wurden von Prof. H. Fischer entworfen und in den Malkursen seinen Schülern zur Verfügung gestellt, die sie dann schreiben konnten.

 

 


Dieses Motiv hat bereits mein Vater als Strohbild in den 1960er Jahren gefertigt.

Es ist ein Motiv, das damals auf Totenzetteln zu finden war. Die Vorlage hängt im Ikonenmuseum Recklinghausen.

Engel, 33 x 21 cm, 2009 (Privatbesitz)
Engel, 33 x 21 cm, 2009 (Privatbesitz)

Engel, 21 x 15 cm, 2011 (Privatbesitz)
Engel, 21 x 15 cm, 2011 (Privatbesitz)
Sel. Anna Katharina Emmerick, 30 x 21 cm, 2011
Sel. Anna Katharina Emmerick, 30 x 21 cm, 2011

Anna Katharina Emmerick wurde am 3. Oktober 2004 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Mich interessierte ihr Bild, das ich zufällig in einer der Publikationen über sie fand. Es bildete die Grundlage für dieses Gemälde, bei dem ich die Kriterien der Ikonen- malerei, wie ich sie gelernt habe, zugrunde legte. Da sie in ärmlichen Verhältnissen lebte und in einem Korbbett ihre letzten  Lebensjahre verbrachte, verzichtete ich auf einen Goldhintergrund und wählte die gekälkte Wand.


Engel, 20 x 20 cm, 2005
Engel, 20 x 20 cm, 2005

Nach dem Motiv der Engel mit dem Goldhaar entstand diese Ikone, bei der die Haare allerdings nicht in Gold gemalt  wurden.

In unterschiedlichen Aus- schnitten fertigte ich drei Versionen an. Die neben- stehende entstand auf einem "Restebrett", daher ist vom Oberkörper nur wenig zu sehen.

Die beiden anderen Ikonen haben das Maß 30 x 21 cm und befinden sich im Privatbesitz.